[kid] Raptor gegen Töpfchen

Mir ist fürchterlich warm! Ich strecke ein Bein aus der Bettdecke heraus, um etwas abzukühlen. Neben mir schnarcht etwas. Sam hat sich heute Nacht wieder in mein Bett gekuschelt. Ich finde das herrlich! Die Zeit kommt leider viel zu schnell, in der Kinder nicht mehr bei Mama schlafen oder gar kuscheln wollen. Ich drehe mich um und schaue ihm beim schlafen zu. AU! Ich schrecke hoch, und ein Triceratops liegt unter mir, den Sam mit ins Bett geschleppt hat. Ein Schleich-Dinosaurier. Ich stelle “Waui”, so heißt der Dino, auf den Beistelltisch und lege mich wieder zu Sam. Ein Blick auf meinen Wecker an diesem herrlichen Samstagmorgen: es ist 07.48 Uhr. Ich würde das als ausgeschlafen bezeichnen! Denn normalerweise beginnt mein Tag mit einer 6 vorne dran. Sam schläft immer noch seelenruhig. Meine Blase drückt aufeinmal und ich versuche mich aus der Decke zu pellen und ins Bad zu schleichen. Wenige Sekunden später: “Mama?.. MAMMAAAA!” – schreit es aus meinem Schlafzimmer. Ich kneife meine Augen zusammen. Ob er mich dann sehen kann? Wäre auch zu viel verlangt in Ruhe pinkeln gehen zu können. Schon höre ich seine kleinen, schnellen Füße in Richtung Badezimmer tapsen. “MAMMMMA” jammert er, mit ausgestreckten Armen, die mir zeigen sollen, dass ich ihn auf den Schoß nehmen soll. Super. Er drückt mich ganz fest, mit seinen kleinen, weichen Ärmchen, die mir über den Rücken streicheln. Er ist so wundervoll, und sofort entschuldigt das seine Pinkel-Störung. Ich setze ihn ab und er rennt in sein Kinderzimmer. Kreischend vor Freude.

WAUIWAUIWAUIWAUI

Sam liebt Dinosaurier. Bis vor einem halben Jahr waren es noch die Bagger. Egal welche Größe oder Form sie hatten, und auch wenn Mama sie gar nicht schnell genug erkannte, rief Sam vom Kindersitz während der Autofahrt laut “GAGGAAAA”, und streckte seinen Zeigefinger in die GAGGA-Richtung. Oft habe ich versucht ihm zu erklären, dass es B-agger heißt, nicht G-agga. “Bbbbagger, Samy!”… “bbbb gagga?”. Das ist zum schießen komisch! Doch eines Tages entdeckte er die Dinosaurier und die BBBGAGGAS waren vergessen. Die Dinos haben einen einfachen Namen: Waui. Alle Dinos heißen so. Somit ist es verdammt schwer für mich wenn Sam nach seinem Waui fragt. Nicht zu verwechseln mit “Wauau”, damit ist aber der Hund gemeint.

BLOG 1

“Waui?”, Sam verzieht sein Gesicht zu einer Schnute. Er sucht verzweifelt nach Waui. Ich finde den Brachiosaurus. Das ist der Pflanzenfresser mit dem langen Hals. Er liegt auf der Couch. Er nimmt ihn mir aus der Hand und schmeißt ihn kopfschüttelnd in die Ecke. “Nein, Waui!” Ok, das war wohl der falsche. Pardon. Er läuft mir hinterher, während ich seine Waui-Sammlung suche (anstatt selber zu suchen…). Ich gehe zurück zum Schlafzimmer, wo der Triceratops noch immer auf dem Nachttisch steht. Auch das ist der falsche. Herrgott nochmal… Ich schüttle die Bettdecke auf, und darunter erscheint der kleine, grüne Dinosaurier. Der heißt irgendwas mit Raptor, bzw. auch Waui. Diesem Waui fehlt allerdings der linke Arm. DAS ist der Richtige. Prima. Morgendliche Aufgabe ist somit erledigt.

555

333

Er verschwindet jubelnd in sein Zimmer und die Dino-Kämpfe können beginnen. Zufrieden tapse ich in die Küche und lasse mir einen Milchkaffee raus. Ohne Kaffee kann ich nicht in den Tag starten. Ich koste ihn und würde mich am liebsten rein legen. Als ich an Sams Zimmer vorbei gehe, kniet er vor seinem Bett und lässt die Dinos laut brüllend gegeneinander kämpfen. Am besten finde ich immer die Kampfgeräusche, als würden Bomben explodieren “BCHHHHH KRRRRRRR BAAAAM”. Ob sich das damals in der Kreidezeit auch so angehört hat? Ich wage es zu bezweifeln.

Jetzt muss hier erst mal klar Schiff gemacht werden! Das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert! Wohnung lüften, durchwischen, Wäsche waschen und aufhängen steht auf dem Programm. Danach richte ich das Frühstück für Sam. Er isst ungern direkt nach dem aufstehen – ob er wohl mein Sohn ist? Weil er Brot hasst (außer wenn ich welches esse) mache ich ihm ein leckeres Müsli mit frischen Beeren und Banane. Immer mit dabei, natürlich mit Bärenhunger: die Wauis, die fleißig Müsli essen. Was für eine Sauerrei.

Raptor gegen Töpfchen

Im Badezimmer richte ich Sams neues Töpfchen. Ein rotes Bobby-Car mit Lenkrad! Nach etlichen Versuchen wurde dieses Klo endlich von ihm akzeptiert. Da ich weiß, dass nach dem Frühstück meist auch sein Geschäft folgt, setze ich ihn nach dem Essen drauf. Mit dabei: der Raptor. (Es ist verblüffend. Jeden Tag wird ein anderer Dino favorisiert!) Zuerst muss der Raptor gegen das Lenkgrad kämpfen, welches auch erfolgreich aus der Halterung springt. Der Raptor hat gewonnen! Erst dann folgt die Stille mit einem konzentrierten Gesichtausdruck. Gepaart mit einem roten Kopf. Yeah, er macht auf dem Töpfchen! Ich hätte ja nie gedacht, dass ich mich so freuen würde, wenn jemand fein sein Stinker macht. Ich bin total begeistert.

BLOG2

“Ihhh”, er verzieht sein Gesicht, als hätte er auf eine Zitrone gebissen, und zeigt auf sein Töpfchen. Ich mache ihn sauber, damit er danach sein Werk bewundern kann. Natürlich wird auch geklatscht, weil er das wirklich prima gemacht hat! Er bekommt wieder seine Pampers an, und er verschwindet für die weiteren Kämpfe in sein Zimmer. Der Raptor liegt noch auf dem Badezimmer-Teppich. Wie ich das gemerkt habe? Ich bin drauf getreten.

Dann kam der T-Rex

Oft verschwinden einige Dinos. Ganz plötzlich. Die Gründe sind unklar (Vielleicht verstecke ich manchmal auch einen, weil der Dino besonders nervt… ist aber nur eine Theorie und wurde bisher auch noch nicht geklärt!). Als ich nach dem rechten sehe, spielt Sam ganz aufgeregt mit seinem großen, grünen T-Rex. Der kann sogar seinen Mund bewegen! WO HAT ER DEN GEFUNDEN? Ich hatte ihn versteckt! Zwar wusste ich irgendwann selbst nicht mehr wo genau, aber Kinder haben da wohl eine gute Spürnase. Hier und da findet er auch Haarspangen von mir, die ich lange gesucht habe… von dem her! Der T-Rex hat leider schon viel mitgemacht. Er wurde beinahe selber gefressen von einem bösen, braunhaarigem Labrador namens Barney vom Pferdehof. Er überlebte den Kampf mit einigen Schrammen und Verletzungen. Sein Kiefer ist nun schief, und die Füße sind ziemlich demoliert. Aber hey! Es ist nunmal der T-Rex. Der König!

BLOG3

Will ich mal hoffen, dass dieser Waui mich im Schlaf nicht umbringt, wie beinahe der Triceratops…

signatur

2 Kommentare

Kommentar verfassen