Mila ist da! Der Geburtsbericht!

Mein errechneter Geburtstermin ist erreicht. Wer hätte gedacht das meine kleine Bauchbewohnerin solange drin bleibt? “Vermutlich macht sie sich noch hübsch”, sagte meine Mama. Meine Hebamme klingelte an der Tür. Sie stürmte die Treppe schnell nach oben um mir einen Wehenfördernden Tee vorbei zubringen. Wir haben den 19.12.17, und stehen somit kurz vor Weihnachten. Innerhalb der Familie wurden Wetten abgeschlossen, wann die Kleine tatsächlich schlüpft. Nachträglich kann ich sagen: Alle haben verloren. Ich poste noch schnell einen Beitrag auf Facebook, dass ich nun die 41. Schwangerschaftswoche erreicht habe und gespannt auf den Startschuss warte. Ihr habt mir mit Euren lieben Kommentaren Mut zugesprochen.

Den Wehentee stellte ich in der Küche bereit. Ich möchte die kommende Nacht noch einmal ausgiebig schlafen und am Morgen zum Frühstück mit dem Tee beginnen. Ich gehe mit Sam ins Bett, lese mit ihm noch 2 Bücher und dann schlief er ein. Ich selbst merkte unregelmäßig ein Ziehen im Unterleib, so als ob meine Tage gleich kommen. Ähnlich wie normale Senkwehen und deshalb erstmal schwer von “echten” Wehen zu unterscheiden. Ich setze mich zu Mama auf die Couch und schaue mit ihr etwas Fernsehen. “Mama, hier und da merke ich ein Ziehen. Ich weiß aber nicht ob das echte Wehen sind. Tun auch nicht so doll weh.” “Geh doch mal in die Wanne oder Dusche heiß, vielleicht werden die Wehen dann mehr?”. Wir haben schon circa 22 Uhr, und mache mich tatsächlich auf den Weg ins Badezimmer und dusche heiß. Während der Dusche selbst verschwand das Ziehen aber, und irgendwie war ich enttäuscht. Ich trocknete mich ab und zog mir einen Schlafanzug an. Ab ins Bett. Mir fielen direkt die Augen zu und ich schlief ein.

Punkt 0 Uhr. Ich werde wach. Wieder dieses Ziehen, aber etwas doller. Dennoch schlief ich wieder ein…

Punkt 2 Uhr. LECK MICH AM ARSCH. Scheiße tut das weh! Ich schnelle hoch in den Vierfüßlerstand und muss die Wehe direkt veratmen. Der Schmerz saß im Kreuz, so wie bei Sam damals auch… DAS MUSS ECHT SEIN. Nach einer Minute war es vorbei, ich legte mich wieder hin und schaute auf die Uhr, und schlief danach direkt wieder ein.

2:03 Uhr. Ich schnelle wieder hoch und das Ganze von vorne. Heilige Maria. HEFTIG wie schmerzhaft die Wehen direkt sind. Im 3-5 Minuten Takt kamen die Wehen wie eine Flut. Direkt zum Start höllisch schmerzhaft. Die Wehen bauten sich nicht erst auf, sondern starteten gleich mit der Spitze. Beim veratmen musste ich direkt tönen “ahhhhh…..”. Ich bin so müde. Damit hab ich jetzt nicht gerechnet. Was soll ich jetzt machen? Ich will nicht schon wieder zu früh ins Krankenhaus und wieder Heim geschickt werden. Aber die Wehen sind heftig. Zwischen den Wehen schlief ich immer wieder ein, in den Sekundenschlaf.

Jetzt reichts! Um 3 Uhr entschied ich mich für eine heiße Badewanne. Vielleicht lindert sie etwas die krassen Schmerzen. Vielleicht ist das aber doch der langersehnte Startschuss? Ich bin so unsicher. Ich eile rüber ins Badezimmer und ließ mir ein Lavendelbad ein. Kaum lag ich drin, dachte ich, ich muss sterben. Zu liegen während einer Wehe ist der Tod für mich! Geht gar nicht. Ich musste in der Wanne schnell in den Vierfüßlerstand eilen und veratmen. Ohje ich will die anderen nicht wecken mit meinem Lärm! Andererseits ist es mir aber doch scheiß egal. DAS TUT WEH! DAS SOLL AUFHÖREN. Alle 3 Minuten, so als ob jemand einen Dolch in den Rücken rammt und einmal herumdreht… der schmerz ebbt nur langsam ab. Manchmal verschwand er gar nicht, sondern ging direkt in die nächste Wehe über.

Ich trocknete mich wieder schnell ab, mit mindestens 3 Wehen dazwischen. Noch schmerzhafter als vorher. OH GOTT! Ich muss meine Mama jetzt leider wecken. Wir haben nun 4 Uhr. Die Zeit rennt. Ich vergesse sie immer wieder weil ich in meinem Nebel voller Schmerz sitze. Noch schlimmer ist die Unwissenheit, wie lange diese Schmerzen noch andauern. Du weißt nicht, ist gleich Alles vorbei? Oder muss ich diese Schmerzen noch etliche Stunden aushalten?

Mama ist von 0 auf 100 Top-Fit, macht sich noch schnell fertig. Als eine Wehe vorbei war, rief ich schnell im Kreißsaal an und kündigte mich an. Während dem Telefonat merkte ich, wie sich die nächste Wehe ankündigt und ich beende schnell wieder das Gespräch… aahhhh…… Das halte ich nicht aus.

Wir fuhren los Richtung Diakonie Krankenhaus nach Freiburg. Dort hatte ich Sam bereits zur Welt gebracht und war sehr zufrieden. Die Fahrt kam mir so elendslang vor, dabei ging die Fahrt nur 15 Minuten. Meine Mama half mir meine Atmung zu kontrollieren während der Fahrt. Sitzen während man Wehen hat ist echt WIDERLICH. Dadurch das der Wehenschmerz direkt mit dem Höhepunkt anfing, verkrampfte ich jedesmal anstelle zu entspannen. Und was ist Regel Nummer 1 unter der Geburt? Versuchen zu entspannen damit sich der Muttermund schnell öffnen kann. Leichter gesagt als getan. Mama parkte auf dem Storchenparkplatz vor dem Eingang und nahm mein Gepäck. Ich selbst hatte auf dem Weg nach oben in den Kreißsaal 3 Wehen. Mama stützte und untersützte mich wie sie nur konnte. Sie war mein Ruhepol. Wir kamen vor dem Kreißsaal an und die Hebamme öffnete uns bereits die Tür und stellte sich erst einmal vor. Ihren Namen habe ich aber wieder vergessen noch während sie ihn mir sagte. Mir war es ehrlich gesagt egal wie sie hieß. Ich durfte mir einen Kreißsaal aussuchen, denn alle waren frei. Ich wählte den selben wie bei Sam. Das fand ich super. Nach dem ich meine Jacke auszog schaute ich auf die Uhr, es ist kurz nach 5 Uhr. Als hätte man einen Schalter umgelegt legten die Wehen nochmal gefühlt um 500% zu. Doch man zwang mich auf das Bett zu liegen damit CTG geschrieben werden konnte. Liegen und Wehen – das ist für mich die Hölle, da ich mich unter den Wehen bewegen muss um sie besser auszuhalten. Ich hielt es aber notgedrungen aus und wir schrieben eine Weile CTG. Ich lag seitlich und versuchte mein Becken unter den Wehen zu kreisen und griff nach Mamas Hand. Ich sagte der Hebamme gleich, dass ich unter Geburt Nummer 1 nicht eine einzige Wehe auf dem CTG hatte, und sie sich nicht wundern soll wenn es jetzt wieder so ist. Außerdem bat ich sie direkt um einen Schmerztropf.

Die Hebamme hatte die Ruhe weg, aber irgendwie fand ich sie doof. So als ob sie mich nicht ernst nimmt, dass die Wehen so heftig sind. Dabei tönte ich schon sehr laut vor mich hin. “Ich schaue jetzt erst einmal nach dem Muttermund und dann reden wir darüber wie wir weiter machen”. Alter, mach einfach. Ich habe so mit 5 oder 6 cm gerechnet, da ich ihren Kopf am Muttermund unter den Wehen gut spüren konnte und wie schon erwähnt: DIE WEHEN ECHT KRASS WAREN! VON ANFANG AN. Die Hebamme fummelte an mir rum, und tja: ich war erst 3 cm geöffnet. 3 ZENTIMETER. WAS SOLL DER SCHEIß? Gestern beim Frauenarzt hatte ich schon 2 cm und bin somit erst einen cm weiter aufgegangen. DAS IST NICHTS. PUSTEKUCHEN.

“Den Schmerztropf geben wir erst ab 4 oder 5 cm”, das CTG wurde abgeschlossen, damit ich mich ENDLICH unter den Wehen bewegen konnte. Ich stand direkt auf und eilte hinter das Kreißsaalbett. Dort gab es eine große gepolsterte Stange an der ich mich festhalten konnte. Es ging direkt los, die Wehe stieg direkt auf gefühlt 10.000% Schmerzgrad an, ich verkrampfte und heulte. Unter den Wehen kreiste ich stark mein Becken. Mama atmete mit mir. Die Hebamme schien nun zu sehen wie ich litt. “Wir haben jetzt Schichtübergabe, dann kommt gleich meine Ablöse und wir legen den Tropf. Das geht circa 15 Minuten.” Das war mein Lichtblick. Bald wird es besser. Bald kann ich ein klein wenig mehr entspannen. Doch die Zeit verging schnell. Die Wehen noch heftiger als ich es mir jemals vorstellen konnte. Ich befand mich irgendwann im Delirium des Schmerzes und schrie einfach nur. Die Wehen gingen ineinander über. Keine Pausen mehr. Ich konnte nicht mehr. Ich will sterben. Es war bereits nach 6 Uhr. Es kam immer noch keine Hebamme. Meine Mama ging aus dem Kreißsaal und suchte nach den Hebammen. “Wir haben noch Übergabe, wir kommen bald”. Die Zeit rannte weiter. Zwischenzeitlich musste ich dringend auf die Toilette. Auf dem Flur traf ich witzigerweise eine Freundin die ebenso kurz vor Entbindung war. Aber ich hatte keine Lust zu quatschen, ich musste dringend auf Toilette und wusste, das mir nicht viel Zeit blieb bis zur nächsten Wehe. Kaum saß ich auf dem Topf kam eine Wehe. SCHRECKLICH – ich schrie!

Zurück im Kreißsaal: ich konnte nicht mehr stehend die Wehen veratmen. Eigentlich kann ich sagen, dass die letzten Wehen keine einzelnen waren, sondern eine GIGANTISCHLANGE Wehe. Sie hörte nämlich nie ganz auf. Mama atmete mit mir. Ich musste mir aber dringend eine neue Position aussuchen. Klar war, nichts liegendes. Ich versuchte es auf einem Gymnastikball und hielt mich am herunterhängenden Seil fest. NEIN das geht nicht. Unter der Wehe stand ich schnell auf und eilte wieder zu meiner Stange. Als sie schwächer wurde versuchte ich es im Vierfüßlerstand auf dem Bett. Doch unter der Wehe zeigte sich auch diese Position als noch schmerzhafter als sowieso schon. Meine Mama hielt mich unter den Armen fest damit ich aufstehen konnte. Ich klappte halb zusammen und hielt mich am Tresen an der Seite fest. Mama hielt mich fest damit ich nicht umfalle. Ich kann nicht mehr. “Oh Gott was ist das. MAMA ICH SPÜRE IHREN KOPF! ICH MUSS MITPRESSEN. HOL JEMANDEN!!!” Mama rennt raus und ich konnte nicht anders als mitdrücken, es geht nicht anders. Nein. Mir lief Blut unten raus.

“Könnte jetzt mal bitte jemand kommen? Wir machen das sonst alleine hier!”, rief Mama auf dem Flur zu den Hebammen. “Wir kommen gleich und legen denTropf.”“Den brauchen wir jetzt nicht mehr, sie muss pressen”. “Oh..” und da kamen mehrere Leute in den Raum, ich hatte mich in der Zwischenzeit aufs Bett in den Vierfüßlerstand begeben und musste mitdrücken. Seitlich tauchte neben mir eine Frau in weißer Kleidung auf. “Hallo, ich bin die …, ich habe heute Schicht”. Boah, juckt mich nicht, hilf mir!!! Die Hebammen fuhren die Lehne des Bettes nach oben, damit ich mich besser anlehnen konnte. “Jetzt fühl ich erst mal den Muttermund”… stille.. “Oh da ist der Kopf tatsächlich – holt mal jemand die Ärztin?”. Sie öffnete die Fruchtblase, die immer noch in Takt war. Sie hatte Mühe sie aufzustechen. Unsere Fruchtblasen in der Familie halten ganz schön was aus! Bei Sam wurde sie auch aufgemacht.

Es fühlt sich an, als würde man einen Kürbis auskacken. Ich presste mit, und merkte wie sich ihr Körper in mir entlang bahnt. Ihr Kopf war halb draußen “Hecheln!” – ich hechelte und wartete auf die nächste Wehe. Ich drückte wieder. Da war der Kopf. Oh Gott, mich zerreißt es. Noch einmal drücken. Es flutscht und drückt in mir. Zack, da war sie. “Hat sie Haare Mama?” Ich konnte sie noch nicht sehen, weil sie unter mit auf dem Bett lag. Meine Beine waren seitlich aufgestellt. Ich schaute nach unten. Da lag sie, und sie schaute ganz erschrocken. Mila Ohana Kiki, mit ihren langen schwarzen Haaren, kam um 06.50 auf die Welt. Es ging so schnell. Und die Hebammen kamen wirklich erst zum Schluss. Man merkte wie überfordert sie waren, dass es doch so schnell ging. Unerwartet schnell. Unter der Geburt bin ich nur leicht geschürft und wurde ein bisschen genäht.

Mila lag auf meiner Brust, sie quakte etwas. Ich zitterte am ganzen Köper. Es ging so schnell. Die Nachwehen zerbersteten mich. Wir ließen die Nabelschnur auspulsieren, bevor meine Mama die Nabelschnur durchschnitt. Ich übergab Mila an meine Mama, ich konnte sie nicht halten, ich war so schwach und mein Körper bebte. Ich hatte meinen Körper nicht unter Kontrolle. Es kam die Nachgeburt, danach wurden die Nachwehen noch heftiger. Nach dem Nähen verschwanden die Hebammen alle wieder. Mama, Mila und ich waren alleine. In der Zwischenzeit lag ich auf dem Bett, und legte die kleine Mila an. Sie trank wunderbar und ohne Mühe. Sie machte das prima. Irgendwann kam wieder eine Hebamme und machte schnell die U1, irgendwie etwas huschi wuschi. 3.515 Gramm und 52 cm groß, Kopfumfang 35,5 cm. “Wir besorgen rasch ein Bett für Sie, dann können Sie auf Station.” – Das Bett kam endlich um kurz vor 9 Uhr. Aber in der Zwischenzeit haben wir gekuschelt was das Zeug hält. Sie ist so wunderschön.

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Auch wenn die Wehen von Beginn an stark waren, extrem heftig war es erst ab 4 Uhr, obwohl es vorher auch schon schlimm war. Im Vergleich zum Ende waren die Wehen vorher noch eine reine Wellnessbehandlung. Eine Geburt ist kein Zuckerschlecken, dennoch sind wir genau dafür gemacht und können das aushalten. Ich habe die Geburt (ungewollt) ohne Schmerzmittel erleben können. Eine Erfahrung die mich geprägt hat. Noch heute habe ich an der Geburt zu knabbern, da ich innerhalb circa einer Stunde von 3 cm komplett auf 10 cm aufgegangen bin. Diese Schmerzen sind nicht zu beschreiben und auch mit nichts anderem zu vergleichen. Doch wenn man dieses kleine Wunder sieht, weißt man, wofür es gut ist.

Habt keine Angst vor einer natürlichen Geburt. Wir sind Frauen und stärker als wir denken. Auf Station wurde ich in einem Zweierzimmer untergebracht. Meine Nachbarin hatte einen Wunschkaiserschnitt und litt nach der Geburt um einiges mehr als ich. Spritzen hier, Untersuchungen da, Schmerzen dort und musste täglich zu Physiotherapie. Sie war unbeweglich, musste ständig Schmerzmittel nehmen. Auch wenn sie den eigentlichen Geburtsschmerz nicht wollte, weil sie Angst hatte davor, war sie neidisch auf mich, da ich nach der Geburt wieder recht mobil war und nur noch Schmerzen wegen den Nachwehen hatte.

Ich wollte Euch teilhaben lassen an diesem Erlebnis. Auch wenn es das privateste ist, was es gibt.

Im Vergleich fand ich Milas Geburt zwar Schmerzhafter, aber besser. Samys Geburt ging über 40 Stunden aber hatte dabei Schmerzmittel. Milas Geburt war ohne Schmerzmittel, dafür aber wie ihr gelesen habt, um einiges schneller.

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Eure Shanice mit Mila und dem großen stolzen Bruder Samy.

1 Kommentar

  1. 3. Januar 2018 / 14:01

    Endlich mal ein Geburtsbericht, der nichts beschönigt oder romantisiert. Hier spürt man wirklich, wie so etwas in der Realität abläuft, nämlich mit Schreien, Schmerzen, mit Fluchen und allem, was dazu gehört.

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